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"Riegel vor! Mobile Täter im Visier"

Die NRW-Polizei verstärkt mit ihrem innovativen Konzept "Riegel vor! Mobile Täter im Visier" den Fahndungs- und Ermittlungsdruck auf mobile Einbrecherbanden.

"Wir bündeln die Ermittlungen gegen überregionale Intensivtäter in 16 Schwerpunktbehörden", erklärte Innenminister Ralf Jäger gestern (14.08.2013) in Düsseldorf. "Denn dieser neue Typ Einbrecher begeht viele Straftaten und überschreitet häufig Zuständigkeitsgrenzen von Polizeibehörden. Darauf stellt sich die Polizei verstärkt ein und bekämpft jetzt mit spezialisierten Dienststellen über Behördengrenzen hinweg die Einbruchskriminalität. Gegen überörtlich aktive Diebesbanden setzen wir auf neue überörtliche Strategien, Einsätze und Ermittlungen."

375 Personen wurden identifiziert

Die Experten des Landeskriminalamtes in Düsseldorf haben in einer Studie festgestellt, dass die professionellen Banden auch für eine große Anzahl von Metall- und Taschendiebstählen sowie für Überfälle an Geldautomaten verantwortlich sind. Deswegen nehmen spezialisierte Fahnder in den Schwerpunktbehörden jeden erkannten Intensivtäter ihres Bezirks ins Visier. In einer ersten Untersuchung hat das LKA 375 von ihnen identifiziert und den 16 Behörden zugeteilt.

Die Spezialisten werten alle Erkenntnisse zu den Intensivtätern aus, ohne an regionale Zuständigkeiten gebunden zu sein. "So ist sichergestellt, dass alle Informationen über jeden Einzelnen an einer einzigen Stelle zusammenkommen",  erläuterte Jäger. "Die Erkenntnisse werden tagesaktuell in Fall- und Täterdatenbanken allen Polizisten zur Verfügung gestellt. Durch diesen schnellen landesweiten Datenaustausch erhalten die Fahnder einen Überblick über Entwicklungen und Reisebewegungen der Täterbanden. Sie können so sehr schnell reagieren und sich auf aktuelle Brennpunkte konzentrieren." Ermittlungen und Einsätze werden in Ermittlungskommissionen geführt. Das Landeskriminalamt koordiniert und unterstützt dieses Netzwerk. "Für diese neuen Aufgaben stellen wir den 16 Behörden und dem LKA insgesamt 20 zusätzliche Ermittlerstellen bereit“, sagte der Innenminister.

In 4 Monaten 176 Einbrüche

Am Beispiel der Ermittlungen gegen eine 23-köpfige Einbrecherbande machte Ralf Jäger deutlich, wie aufwändig die Polizei ermittelt: Nach neunmonatiger akribischer Arbeit konnten die Ermittler der Bande 176 Einbrüche nachweisen. Die Täter hatten die Wohnungseinbrüche in nur vier Monaten in über 30 Städten im Rheinland und im Bergischen Land begangen. Die große Herausforderung bestand darin, zwischen den weit über die Landkarte verstreuten Tatorten einen Zusammenhang herzustellen und so das hinter den Einbrüchen steckende Täternetzwerk zu enttarnen. Die Kriminellen agierten schnell, aber schließlich konnten sie der Polizei nicht mehr entkommen. Im Frühjahr legte die Kommission der Bande das Handwerk und nahm sieben Täter fest. Sie müssen sich demnächst vor Gericht verantworten. Eine große Menge Diebesgut, wie Schmuck, Mobiltelefone und Laptops, konnte die Polizei den Eigentümern wieder aushändigen.

Klauen und abhauen

Die Ermittlungsergebnisse zeigen, wie professionell die Bande organisiert war: Hintermänner lieferten gefälschte Reisepässe und Tatfahrzeuge, die auf andere, unverdächtige Personen zugelassen waren. Verwandte stellten ihre Wohnung als Unterschlupf zur Verfügung. Einige Täter reisten aus dem Ausland als Touristen getarnt ein und verließen Deutschland sofort nach den Taten wieder.

"Der Fall zeigt, wie wichtig zentral geführte Ermittlungen gegen mobile Täter sind. So können Zusammenhänge zwischen Taten schneller entdeckt und Bandenstrukturen besser erkannt werden", erläuterte der Minister. Die Fachleute sind sich sicher, dass die Polizei mit dem neuen Konzept, entscheidende Erkenntnisse zu Transportwegen, zum Verbleib von Beute, zum Aufenthaltsort der Täter, Banden und Hintermänner gewinnen wird. Jäger: "Wir wollen, dass sich die Menschen sicher in ihren vier Wänden fühlen. Schlimmer als der materielle Verlust ist bei einem Einbruch oft der seelische Schaden. Deshalb hat die Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen für mich eine hohe Priorität."

Hülya Sancak/ Düsseldorf

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