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Armin Laschet: “‚Nie wieder‘ muss Teil der Staatsräson sein”

Armin Laschet: “‚Nie wieder‘ muss Teil der Staatsräson sein” Zum ersten Mal haben Juden, Christen, Muslime, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen den Gedenktag anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz genutzt, um zum gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus aufzurufen. Zu den Unterzeichnern der gemeinsamen Erklärung gehören:

Rainer Maria Kardinal Woelki- Erzbischof von Köln, Annette Kurschus- Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Metropolit Augoustinos von Deutschland-    Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz, Dr. Zekeriya Altug̃- Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Dr. Abraham Lehrer- Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger- Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Anja Weber- Vorsitzende Deutscher Gewerkschaftsbund Nordrhein-Westfalen (DGB NRW), Arndt Günter Kirchhoff- Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw), Armin Laschet-   Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsident Armin Laschet: „Diese Erklärung ist ein bedeutendes Zeichen für den Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen im gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. Denn auch 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz ist Antisemitismus leider noch immer Realität. Dem müssen wir uns entschlossen entgegenstellen: Antisemitismus, Ausgrenzung und Diskriminierung haben in Deutschland keinen Platz – nie wieder! Dafür stehen wir geeint. Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle und jeden Einzelnen von uns verpflichtet. ‚Nie wieder‘ muss in jedem unserer Köpfe tief verankert sein, ‚nie wieder‘ muss unser aller Handeln und Entscheiden prägen, ‚nie wieder‘ muss Teil der Staatsräson sein. “

Die gemeinsame Erklärung zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Wortlaut:

Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von den vorrückenden Truppen der Roten Armee befreit. Was die Soldaten in Auschwitz vorfanden, lässt sich in Worten kaum beschreiben. Es waren die wenigen Überlebenden einer unglaublichen Vernichtungsmaschinerie, mit der das nationalsozialistische Regime rund sechs Millionen Juden aus ganz Europa ermordete, davon mehr als eine Million allein in Auschwitz. Die deutschen Gräueltaten der Jahre 1933 bis 1945 und die Verbrechen des Holocaust erschüttern uns und die ganze Welt bis heute.

Immer wieder fragen wir uns, wie es möglich war, dass in unserem Land zunächst jüdische Gotteshäuser geschändet und niedergebrannt, dass Menschen aus der Mitte der Gesellschaft verprügelt, gedemütigt, eingesperrt, schließlich aus Deutschland und ganz Europa in Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurden.

Für uns Nachgeborene erwächst aus dieser Zeit eine persönliche und gesellschaftliche Verantwortung. Diese Verantwortung gehört zum Grundkonsens der Bundesrepublik Deutschland und verpflichtet alle Menschen, die in unserem Land leben – egal, ob sie hier geboren wurden oder zu uns gekommen sind und hier eine neue Heimat gefunden haben. Zu dieser Verantwortung aus der deutschen Geschichte und den Verbrechen des National­sozialismus heraus wollen sich die versammelten Vertreter von Religionen und gesellschaftlichen Gruppen in Nordrhein-Westfalen bekennen. 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nimmt der Antisemitismus in unserem Land erneut zu. Dieser Entwicklung, aber auch der Diskriminierung anderer Religionen, dem Fremdenhass und dem Rassismus stellen wir uns sowohl auf gesellschaftlicher Ebene als auch in unseren eigenen Reihen entschieden entgegen.

Die Erfahrung des Holocaust lehrt uns, dass wir bereits den Anfängen wehren müssen und nie wieder zulassen dürfen, dass in unserer Gesellschaft Minderheiten aufgrund von Religion, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung oder sonstigen Merkmalen diskriminiert werden. Diesem Grundprinzip unserer Gesellschaft und staatlichen Ordnung fühlen auch wir uns als Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften, der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen verpflichtet.

Wir wollen nicht wegsehen, wenn Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft wegen ihrer Religion oder ihrer Herkunft diskriminiert, benachteiligt oder bedroht werden.

Wir wollen nicht wegsehen, wenn Hass gesät, die Gesellschaft entzweit wird und Gruppen gegeneinander aufgebracht werden.

Wir wollen uns dafür einsetzen, dass Minderheiten geschützt werden und die Würde jedes Einzelnen geachtet wird.

Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die demokratische und freiheitliche Ordnung unseres Landes gestärkt wird.

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